Unkonventionelle Gasförderung: "Fracking"

Die Förderung von unkonventionellem Erdgas über "hydraulic fracturing" (kurz: fracking) ist ein Verfahren, bei dem die mit herkömmlichen Fördermethoden nicht gewinnbaren Vorräte an Erdgas aus Schiefergestein oder Kohleflözen durch Hochdruckverpressung eines Gemisches aus Wasser, Sand und Chemikalien gelöst und danach durch Absaugung gefördert werden können. Voraussetzung dafür sind Tiefbohrungen (1500-5000 m), von denen ausgehend mehrere horizontale Bohrungen in die Lagerstätten einbebracht werden. Entlang dieser Horizontalbohrungen führt das Einpressen zu Rissen im Gestein ("fracks"), womit die Zugänglichkeit zu eingelagertem Methan deutlich steigt.
Je nach dem, welche Chemikalien beim Fracking eingesetzt werden, welche Techniken zur Bohrung und Erfassung sowie Behandlung des frack-Wassers zur Anwendung kommen und welche hydrogeologischen Verhältnisse am Förderort bestehen, kann fracking erhebliche Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit zeigen.

Verschiedene Studien in den USA und für die EU haben sich mit den Umwelt- und Gesundheitsrisiken von Fracking beschäftigt, in Deutschland wurden hierzu vom Umweltbundesamt und dem Land Nordrhein-Westfalen erste Studien publiziert. Im Rahmen des InfoDialogs Fracking wurden kritische Untersuchungen von Fracking-Vorhaben des Unternehmens ExxonMobil an mehreren Standorten in Norddeutschland durchgeführt. Öko-Institut und IINAS haben im Mai 2012 ein erstes Kurzgutachten zu Energie- und Klimabilanzen für Schiefergas in Deutschland für den InfoDialog erstellt (siehe downloads). 

IINAS führte im Rahmen einer Studie für das Umweltbundesamt von 2013-2014 die Analysen zu Energie- und Klimabilanzen von Schiefergas fort, die Ergebnisse sind in dem nun vorliegenden Endbericht enthalten:

"Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas insbesondere aus Schiefergaslagerstätten Teil 2 - Grundwassermonitoringkonzept, Frackingchemikalienkataster, Entsorgung von Flowback, Forschungsstand zur Emissions- und Klimabilanz, induzierte Seismizität, Naturhaushalt, Landschaftsbild und biologische Vielfalt"; i.A. des Umweltbundesamts; UFOPLAN FKZ 3712 23 220, Reihe „Texte“ 53/2014; Dessau Gesamtbericht (26 MB!) - es gibt auch eine Kurzfassung in deutsch und ein English Summary

Über das Gutachten hinaus sind die entsprechenden Lebenswegdaten in der aktuellen Version von GEMIS enthalten und öffentlich zugänglich. 

Parallel wurde für ExxonMobil Deutschland eine Analyse und Vergleich internationaler Studien zu THG-Emissionen von Fracking erstellt (in Englisch).

IINAS bringt zudem die Erkenntnisse zu fracking auch in die internationale Diskussion auf EU-Ebene sowie in den transatlantischen Austausch ein, u.a. in der IPCC Expert Group on Unconventional Gas and Oil Extraction.